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13. Was ist bei der Ernährung im Alter allgemein zu beachten
Der letzte Beitrag von Ronny Kunze der Reihe „Wer mag schon Brei?“

Das ist ein riesiges Feld, aber wenn wir es auf den Punkt bringen wollen, stehen wir im Alter vor einem ganz gemeinen biologischen Paradoxon, das viele unterschätzen. Stellen Sie es sich wie bei einem alten Auto vor. Der Motor läuft langsamer, verbraucht also weniger Benzin, sprich Kalorien. Aber gleichzeitig braucht die Karosserie viel mehr Pflege und Wartung, also Ersatzteile, sprich Vitamine, Mineralstoffe und vor allem Protein. Das Dilemma ist also, wir müssen mehr Nährstoffe in weniger Essen verpacken. Der klassische Senioren-Teller „wenig, aber leicht“ ist falsch. Wir brauchen „wenig, aber gehaltvoll“.

Das absolut Kritischste, was ich in Heimen und in der häuslichen Pflege sehe, ist der unbemerkte Muskelschwund, die Sarkopenie. Ab 70 verliert der Körper rasant an Muskelmasse, wenn wir nicht gegensteuern. Das klassische Abendbrot (Graubrot mit Marmelade oder Streichwurst) ist da leider eine Katastrophe. Es liefert Energie, aber kaum Baustoffe. Wir müssen Proteine quasi in jede Mahlzeit „schmuggeln“. Ein Löffel Quark ins Müsli, ein Ei mehr zum Frühstück, oder Hülsenfrüchte als Püree. Jeder Bissen muss ein Treffer sein. Leere Kalorien, wie wir sie in zuckerhaltigen Limonaden oder hellem Toastbrot haben, sind Platzverschwender im Magen, die wir uns nicht mehr leisten können.

Dazu kommt, dass sich die Sinne verändern. Das ist keine Einbildung der Senioren. Die Zahl der Geschmacksknospen nimmt ab, und der Geruchssinn lässt nach. Wenn wir dann „gesund“ und salzarm kochen, schmeckt das für Oma oder Opa wie Pappe. Wir müssen in der Altersküche viel mutiger würzen, nicht unbedingt mit Salz, sondern mit frischen Kräutern, mit Säure, mit Röstaromen. Ein Essen muss „laut“ schmecken, damit es wahrgenommen wird. Die Angst vor Cholesterin und Kalorien ist im hohen Alter fehl am Platz (ausser bei strikten ärztlichen Verboten). Ein Schuss gutes Rapsöl oder ein Stückchen Butter ist nicht nur ein Geschmacksträger, sondern liefert wertvolle Energie und hilft unserem Gehirn.

Ein Punkt, der mir besonders am Herzen liegt, ist das Trinken, denn das Durstgefühl stirbt quasi vor dem Menschen. Im Alter sendet das Gehirn das Signal „Durst“ manchmal einfach nicht mehr, selbst wenn der Körper schon austrocknet. Es bringt nichts, den Senioren zu sagen „Du musst trinken“. Wir müssen das Trinken zum Erlebnis machen oder es verstecken. Stellen Sie das Wasser in Sichtweite, nutzen Sie rote Säfte oder Gläser mit farbigem Rand, denn Kontraste werden besser gesehen. Lassen Sie das Wasser essen (unsere Drops). Eine Wassermelone, eine Gurkensuppe oder Götterspeise sind wunderbare Flüssigkeits-lieferanten, die nicht als „Zwangstrinken“ wahrgenommen werden. Und vergessen wir bei aller Nährstoffrechnerei nicht die Seele. Essen ist im Alter das letzte verbliebene soziale Event des Tages. Wenn jemand allein isst, isst er fast immer weniger. Gesellschaft ist der beste Appetitanreger, den es gibt. Manchmal ist es wichtiger, dass der Kuchen in fröhlicher Runde mit den Enkeln gegessen wird, als dass der Vitamin-Gehalt des Mittagessens perfekt war. Wir dürfen die Freude am Essen nicht wegtherapieren, denn Genuss ist ein ganz wesentlicher Teil des Lebenswillens.

Essen mit einer Schluckstörung – Fragen an den Experten

Wer nicht mehr schlucken kann, ist auf Breikost angewiesen. Aber vergeht uns da nicht der Appetit? Und was muss alles beachtet werden, um trotzalledem die Ernährung sicherzustellen? Was kann ich als Angehöriger tun?

Ronny Kunze ist Küchenchef in der Geriatrischen Klinik „Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER“ in Basel. Er hat eine ganz besondere Art, den Patienten die Freude am Essen zu bewahren und medizinische Aspekte scheinbar mühelos zu integrieren. Ich durfte ihn auf einer kulinarischen Reise unter besonderen Bedingungen begleiten.
Dies ist der letzte Teil. Wenn Sie alle Beiträge als gesamtes Dokument nachlesen möchten, schreiben Sie mir einfach eine Nachricht an orenghat@csyrtrorqhresgvt-jnf-gha.qr

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