Manche Menschen reiben sich in der Pflege eines Angehörigen auf, sind fast am Ende ihrer Kraft – und glauben trotzdem, nicht genug zu tun. Andere machen sich Vorwürfe, die Pflege ihrer Angehörigen fremden Menschen zu überlassen. Die Last dieser Gedanken macht solche Situationen noch schwerer.
Ist das bei Ihnen auch so? Dann eröffnet Ihnen dieser Beitrag vielleicht einige neue, befreiende Perspektiven auf dieses Thema.
Zunächst einmal: Diese Schuldgefühle, die Sie spüren, kennen viele Menschen in Ihrer Situation. Wahrscheinlich haben Sie bisher nichts davon gehört, weil niemand gern darüber spricht.
Setzen Sie sich mit diesen Gefühlen auseinander. Wo kommen sie her? Warum lasten sie so schwer? Wer das erkennt, gewinnt Leichtigkeit, denn Schuldgefühle verlieren ihre Macht, wenn sie verstanden werden.
Schuldgefühle sind quälend
Wenn Sie in einer für Sie schwierigen Situation überfordert waren und sich ungerecht gegenüber einem Pflegebedürftigen verhalten haben, ist das ein Zeichen dafür, dass externe Hilfe Ihnen guttun könnte. Sie zeigen Verantwortungsbewusstsein für sich und Ihren Angehörigen, wenn Sie Unterstützung annehmen.
Schuldgefühle können aber auch rein subjektiv sein, also „nur“ gefühlt und für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Das kann Sie belasten wie ein vollgepackter Wanderrucksack, der jeden Schritt schwerer macht. Die Ursachen liegen oft sehr tief vergraben, aber durch eine Systemische Beratung oder eine Familienaufstellung können sie sichtbar werden. Dazu weiter unten mehr.
Ursachen für subjektive Schuldgefühle bei der Pflege
Wie entstehen subjektive Schuldgefühle? Vielleicht erkennen Sie sich in dem einen oder anderen dieser Beispiele wieder:
- Ihre Eltern für Sie auf vieles verzichtet oder sich sogar für Sie aufgeopfert. Dann denken Sie vielleicht unbewusst: „Diese Opfer kann ich nur aufwiegen, wenn ich alles gebe.“
- Ihre Eltern haben Ihnen als Kind oft Vorwürfe gemacht, dass Sie ihnen das Leben schwer machen, und Sie versuchen das mit allen Mitteln wiedergutzumachen.
- Sie haben Ihre Eltern, die in Trauer, Angst oder Überforderung lebten, emotional gestützt, und diese Aufgabe übernehmen Sie bis heute.
- Sie mussten lange kämpfen, um sich von den Ansprüchen Ihrer Eltern zu befreien, oder haben sogar den Kontakt abgebrochen. Jetzt fühlen Sie sich wieder von der Bedürftigkeit eines Elternteils eingefangen.
- Sie haben sich nur geliebt gefühlt, wenn Sie perfekt und mit einem Lächeln funktioniert haben und für alle anderen da waren, so dass Sie bis heute diesem Bild entsprechen wollen.
- Ihre Eltern haben versucht, Ihre eigenen Pläne oder Wünsche zu unterdrücken. Dennoch haben Sie Ihre Ziele verfolgt, haben einen tollen Job oder Kinder, sodass jetzt keine Zeit für Pflegearbeit bleibt.
- Ihre Eltern waren sehr kritisch oder emotional nicht erreichbar und Sie sehnen sich immer noch nach ihrem wohlwollenden, zufriedenen Blick.
Professionelle Hilfe
Erst wenn Sie den Familiendynamiken auf den Grund gehen und die Ursachen für alte Gefühle erforschen, können Sie sich davon so weit befreien, dass Sie wieder leichter leben, sich aufrichten können und Gestaltungsspielraum gewinnen.
Als Systemische Familientherapeutin, Supervisorin und Coach unterstütze ich Sie mit zwei Angeboten:
- Bei der Systemischen Pflegeberatung nehmen wir gemeinsam Ihre Situation als Ganzes in den Blick, auch die Wechselwirkungen in der Familie und mit dem Umfeld. Ich berate Sie dabei auch mit praktischen Informationen zur Pflegeversicherung und begleite Sie eine Zeitlang emotional. Mehr Informationen
- Bei einer Pflegeaufstellung erforschen wir Ihre Situation in einer Art Rollenspiel, das Gefühle deutlicher macht. Mehr Informationen
Nächster Termin für Pflegeaufstellungen
Am Samstag, dem 26.09.26, biete ich in Eichstätt eine Familienaufstellung speziell für Angehörige von Pflegebedürftigen an, egal, ob es sich um Eltern, Partner oder Kinder handelt.
Melden Sie sich als Rollenträger an, wenn Sie sich einfach mit dem Thema auseinandersetzen möchten.
Melden Sie sich als Aufsteller an, wenn Sie die Dynamik Ihrer eigenen Familie unter die Lupe nehmen möchten.
Zum Abschluss des Tages informiere ich Sie rund um Pflegeversicherung, Vorsorgevollmacht/Patientenverfügung und Unterstützungsmöglichkeiten.
